Foto
des Monats - April 2010 |
|
Eine gute Ladungssicherung!?? |
|
Der geneigte Leser dieser Kolumne wird sich wundern, dass wir
ein Bild des Monats mit einem quasi Lob überschreiben. Sieht
man die Abbildung 1 an, so erkennt man ein durchaus geeignetes
Fahrzeug, das erhebliche Mittel zur Ladungssicherung eingesetzt
hat. Erfreulicherweise sind die Gegebenheiten des Fahrzeugs, nämlich
die Rungen, auch zur Sicherung der Ladung zumindest in Längssicherung
eingesetzt.
Auch die Abbildung 2 lässt auf den ersten Blick das Herz des
Ladungssicherungskolumnisten höher schlagen. Sind doch zur Längssicherung
vier Rungen vor der Stirnwand eingesetzt worden und diese, wie
schon so häufig in dieser Kolumne empfohlen, durch eine
Direktsicherung, zwar ziemlich hoch, aber immerhin abgefangen
worden. Durch die Umspannung mittels Drahtseil und einem
Gurtvorläufer wurden die Rungen, die die Ladung in Längsrichtung
sichern, mit einer Umspannung unterstützt.
Vor den Rungen wurde aus Vierkanthölzern eine Barriere
aufgebaut, gegen die die Ladung, bestehend aus Stahlrundstäben,
überwiegend formschlüssig herangeladen wurde (Abbildung 3).
Will man derartige Ladungen in Längsrichtung sichern, ist dies
tatsächlich nur durch einen derartigen Ladungssicherungsansatz
sinnvoll möglich.
Auf der Abbildung 4 sieht man die Ladung an der vorderen
Barriere. Leider wurde die Barriere nicht hoch genug gebaut, so
dass einzelne Rundstäbe diese ohne weiteres überwinden können.
Wahrscheinlich hätte schon ein vierter Balken ausgereicht, um
diese Barriere ausreichend hoch zu machen. Auf der obigen
Abbildung 3 ist gut zu erkennen, dass an der Stirnwand noch
weitere Balken vorhanden sind, die man hätte nutzen können.
Auch die Abbildung 5 gibt zunächst Grund zur Freude, denn es
wurden die von uns schon so häufig proklamierten
Sandwichelemente eingesetzt:
Diese Sandwichelemente bestehen, wie hier hervorragend zu
sehen, aus einem reibungserhöhenden Material auf der Ladefläche,
einem Vierkantbalken, der auf seiner Oberseite wiederum mit
einem reibungserhöhenden Material versehen wurde. Diese
Sandwichelemente "reichen" die gute Reibung von der
Ladefläche über das Kantholz direkt an die Ladung weiter. Dass
diese Vierkantbalken einen quadratischen Querschnitt aufweisen,
ist in diesem Fall unproblematisch, da sie mit Stahlwinkeln
seitlich an der Ladefläche verschraubt und so gegen Verrollen
gesichert sind. Dies ist z. B. in der unten folgenden
Abbildung 8 gut erkennbar. Die Ladung besteht, wie schon erwähnt, aus Stahl-Rundstäben,
die mit Draht relativ lose gebündelt wurden (s. Abbildung 6).
So hat die Reibung der Sandwichelemente drei Wirkungen. Zum
einen in Längsrichtung nach vorne und nach hinten, hier leider
nur auf die unterste Lage der Rundstäbe. Da die Bündel an sich
viel zu lose mit Draht zu einer Einheit zusammengefasst wurden,
bilden diese zumindest in Längsrichtung reibungstechnisch keine
Ladeeinheit. Zur Seite sind diese Bündel aber sehr wohl als
Ladeeinheit anzusehen.
So gut der Gedanke in den vorderen Ladungseinheiten bezüglich
der Ladungssicherung in Längsrichtung anhand der formschlüssigen
Verladung war, so traurig sind diese bei den hinteren
Ladungseinheiten. Auf der Abbildung 7 sieht man sehr deutlich,
dass insbesondere auf der linken Fahrzeugseite ein Bündel ohne
jeglichen Schutz nach vorn liegt. Das heißt, diese Ladung
rutscht nicht nur bis zum davor gelagerten Bündel und wird dann
von diesem an einem Weiterrutschen gehindert, sondern kann ggf.
sehr weit nach vorne durchrutschen. Wie einfach hier eine
Barriere zu bauen ist und wie wirkungsvoll, wurde zuvor schon in
der Abbildung 3 gezeigt.
Stahlladungen gehören aufgrund ihrer Masse zu den Ladungen,
die am schwierigsten zu sichern sind. Häufig weisen sie eine
geringe Reibung auf, dafür aber eine hohe Masse. Bei diesen
angerosteten Rundstäben wird sich die Reibung zwischen 20 und
30 Prozent bewegen. Da leider keine gesicherten
Gleitreibbeiwerte zur Verfügung stehen, ist eher vom geringeren
Gleitreibbeiwert auszugehen. Es ist vorteilhaft, die Reibung
bewusst durch RH-Material hoch zu setzen (s. Abbildung 4), oder
die Ladung durch formschlüssige Sicherungselemente so zu
sichern, so dass man sich über die Reibung keine Gedanken mehr
machen muss. Dass die Ladungssicherung aber immer mit äußerster
Sorgfalt erfolgen muss, steht außer Frage. Leider wurde hier der Gegenbeweis angetreten. Die Abbildung 8
zeigt gleich zwei Nachlässigkeiten: Die Zurrungen am Fahrzeug
wurden alle als Niederzurrung ausgelegt. Hierzu gleich noch mehr
Worte. Diese Niederzurrungen bestanden zum Teil aus Drahtseilen.
Drahtseile sind insbesondere beim Stahltransport ein gängiges
Ladungssicherungsmittel und grundsätzlich ist nichts gegen ihre
Verwendung einzuwenden. Dieses Fahrzeug weist sogar noch
zwischen Ladungssicherungspunkt und Ladefläche Umlenkrundungen
auf, damit die Drähte an der scharfkantigen Ladefläche nicht
geknickt werden. Das vordere Drahtseil läuft genau neben der
Umlenkrundung und das hintere schließt den seitlichen
Unterfahrschutz in die Sicherung mit ein, wobei dieser verbogen
wurde. Das kann passieren, wenn der Draht lose hängt und dann
auf der anderen Seite gespannt wird. Um die Ladungssicherung zu
kontrollieren, fehlt ein abschließender Gang einmal ums gesamte
Fahrzeug. Nur dann kann man wirklich sicher sein, dass alles so
ist, wie gewünscht.
Grundsätzliches zu dieser Verladung Die ladungssicherungstechnischen Ansätze waren hervorragend.
Wie schon erwähnt, nur nicht zu Ende gedacht. Das ändert aber
nichts daran, dass hier das Wissen bezüglich einer vernünftigen
Ladungssicherung allem Anschein nach vorliegt und dass sich die
Verlader weitestgehend über die Problematik der
Ladungssicherung bewusst sind. Die Ladungssicherungsmaßnahmen auf diesem Fahrzeug waren
alle als Niederzurrungen ausgelegt, welche ausschließlich über
die Reibung wirken. Von der Niederzurrwirkung der niedrig
laufenden Drahtseile bzw. Gurte wurden nur die äußeren Rundstäbe
erfasst. Somit ist ihre Wirkung eher marginal. Niederzurrungen
sind bei einem relativ geringen Reibbeiwert und so hohen Massen
(es wird von einer Komplettladung von 24 t ausgegangen)
nicht wirklich sinnvoll. Sinnvoll wäre eine zweite Barriere
gewesen bzw. eine dritte auch zur Ladungssicherung nach hinten,
denn diese wurde komplett vernachlässigt. Nach den heute
geltenden Richtlinien muss die Ladung auch nach hinten für 0,5 g
gesichert werden. Da nur die untere Lage von den reibungserhöhenden
Materialien gesichert wird, müssen die oberen Rundstäbe am
Verrutschen nach hinten ebenso gehindert werden, wie die Ladung
in die Vorausrichtung. Bei den Barrieren fehlt noch eine
Niederzurrung, einfach um sicherzustellen, dass die Barriere während
des Transportes durch Vibrationen oder dergleichen nicht
verloren gehen kann. Wie hätte diese Verladung und Sicherung verbessert
werden können? Im vorderen Bereich liegen die Rundstäbe gegen eine Barriere
und diese wiederum gegen zwei Rungenpaare. Diese Rungenpaare
befinden sich vornehmlich im linken und im rechten
Fahrzeugbereich. Ohne weiteres hätte die Ladung auf die linke
und rechte Fahrzeugseite aufgeteilt und gegen die seitlichen
Rungen mit Umspannungen gesichert werden können. Dies zu beiden
Seiten und schon wären erstens die Rungen in Längsrichtung
besser belastet und die seitlichen Fahrzeugrungen überhaupt zur
Sicherung genutzt worden. Eine Umspannung hindert die Ladung
wirkungsvoll am seitlichen Verrollen und Verrutschen. Die
Reibung hätte hier zusätzlich positiv sichernde Wirkung
gehabt. Im hinteren Fahrzeugteil wurde mehr Ladung geladen,
wahrscheinlich aus Gründen der Lastverteilung. Aber auch diese
Ladungsmenge lässt eine Verteilung auf die linke und rechte
Seite zu und ermöglicht durch das Umspannen mit jeweils zwei
Gurten oder Drahtseilen gegen die seitlichen Fahrzeugrungen eine
hervorragende Sicherung. Die Ladungssicherung nach hinten kann
nur sinnvoll mittels einer Barriere erfolgen und damit wäre,
sofern nicht irgendwelche Seitenunterfahrschutzbleche mit
eingebunden werden, die Ladungssicherung optimal.
|
|
zurück zum Inhaltsverzeichnis Foto des Monats Zurück zur KLSK-Homepage © 2010 - KLSK e.V.
|