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"Tatort"
Autobahn: Die Gefahr sitzt im Nacken |
| SCHWERLASTVERKEHR: Wenn die Ladung ins Rutschen kommt.
Immer mehr Lkw-Unfälle wegen mangelnder Sicherung. An zwei Tagen in Bonn Schaden von fast
einer halben Million Mark. Von Dagmar Blesel,
General-Anzeiger-Bonn, 08.02.2001
"Tatort" Autobahn: Kugellager fliegen auf der A 565 Höhe Pützchen auf die Fahrbahn, einen Tag später sind es zwischen Meckenheim und Hardtberg tonnenschwere Stahlbleche (s. Foto). |
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| Die Unfälle am Montag und Dienstag, die, wie berichtet,
durch nicht ordnungsgemäß gesicherte Ladung verursacht wurden, sind kein Zufall. Die
Polizei macht sich seit einiger Zeit große Sorge um die Sicherung von Lkw-Ladungen. 1999
registrierte die Bezirksregierung Köln auf ihren Autobahnen durchschnittlich einen Unfall
pro Tag durch verrutschte oder verlorene Ladung. Insgesamt verunglückten 2 860 Lkw. Die
Bilanz: Elf Tote, 431 Verletzte und ein Schaden von insgesamt 46 Millionen Mark. Im ersten
Halbjahr 2000 registrierte die Autobahnpolizei Bonn (zuständig für die A 555 bis
Wesseling, die A 565, A 59 bis Troisdorf, A 560, A 562 und die B 42) statistisch gesehen
fast einen Lkw-Unfall pro Woche durch nicht gesicherte Ladung. "Vielen Lastwagenfahrern ist einfach nicht bewusst, welche Gefahr ihnen im Nacken sitzt. Es ist ein Wunder, dass bei den jüngsten Unfällen in Bonn niemand verletzt wurde", sagte der Sprecher der Bezirksregierung, Hermann-Josef Borjans, zum GA. Ebenso viel Glück hatten im Dezember 2000 Autofahrer auf der A 565 im Kreuz Bonn-Nord. Eine Fertiggarage war von einem Tieflader gefallen. Niemand wurde verletzt, ebenso wie wenige Monate zuvor auf der Nordbrücke. Auf dem Anhänger eines Lasters waren zwei nicht richtig festgezurrte Hydraulikpressen verrutscht. Der Hänger geriet ins Schleudern. Eine 1,4 Tonnen schwere Hydraulikpresse durchschlug die Bracke des Anhängers und kippte auf die Fahrbahn. So viel Glück hatte vor einem Jahr ein Lastwagenfahrer auf der A 1 nicht: Sein Fahrzeug war im Kreuz Leverkusen gegen den Betonsockel einer Schilderbrücke geprallt. Die nicht gesicherte Ladung, je 3,2 Tonnen schwere Papierrollen gerieten in Bewegung, durchbrachen die Stirnwand zum Führerhaus, rollten darüber hinweg und drückten dieses ein. Der Fahrer war sofort tot. Was tut die Polizei gegen Unfälle durch nicht oder nur unzureichend gesicherte Ladung? Borjans: "Die Autobahnpolizei hat zusammen mit verschiedenen Institutionen und Verbänden, die für Verkehrssicherheit zuständig sind, Ordnungspartnerschaften ins Leben gerufen." Mit gemeinsamer Präventionsarbeit Unfälle vermeiden und Menschenleben retten, lautet das Motto. Darüber hinaus, so Borjans, werde die Autobahnpolizei den Schwerlastverkehr weiterhin kontrollieren, auch mit großangelegten Aktionen. Bei den Unfällen am Montag und Dienstag war ein Schaden von insgesamt fast einer halben Million Mark entstanden. Gegen die beiden Fahrer, eine 40-jährige Österreicherin und einen 48-Jährigen aus Mainz, hat die Polizei Anzeige erstattet. Sie müssen mit einer Geldstrafe von je 120 Mark und drei Punkten in der Flensburger Verkehrssünderkartei rechnen. Das schreibt Paragraph 22 der Straßenverkehrsordnung vor. Darin heißt es: "Sie unterließen es, die Ladung/Ladeeinrichtungen verkehrssicher zu verstauen oder gegen Herabfallen besonders zu sichern." Ein Fahrverbot sieht der Gesetzgeber nicht vor. KOMMENTAR: Rollende Geschosse Es kommt fast einem Wunder gleich, dass bei den Lkw-Unfällen auf der Autobahn keine anderen Verkehrsteilnehmer verletzt worden ist. Laster, deren tonnenschwere Ladungen nicht richtig gesichert sind, sind rollende Zeitbomben. Natürlich gibt es Terminstress, Konkurrenz unter den Spediteuren, doch Zeit für eine festgezurrte Ladung muss sein. Und zwar immer! Zur Sicherheit der Lkw-Fahrer und vor allem der anderen Verkehrsteilnehmer. Alles andere ist bodenloser Leichtsinn. Ladungssicherung darf nicht als Schutz für die Ladung angesehen werden. Es kann nicht sein, dass teure Ladung weit über das erforderliche Maß gesichert wird, weniger wertvolle dagegen ungeschützt auf der Ladefläche transportiert wird. Gefragt ist neben der Polizei, die angesichts der Unfallstatistiken noch mehr kontrollieren sollte als sie es ohnehin schon tut, auch die Politik. Über Geldstrafen zwischen 75 und 100 Mark sowie ein paar Punkten in Flensburg lachen die meisten doch nur. Über ein Fahrverbot wahrscheinlich nicht. Denn das tut eher weh als der Griff ins Portemonnaie. Dagmar Blesel |
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