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Unfall aufgrund mangelnder Ladungssicherung (Wire-Rod-Coils)

Rechtliche Hinweise


Mangelnde Ladungssicherung / Ladelücken

Der Unfallort in einer langgezogenen Linkskurve.
       
Der Lkw (Sattelzugmaschine mit Pritschenauflieger / Stirnwand ohne eingesteckte Rungen) hatte insgesamt 9 Wire-Rod-Coils à 2,7 t geladen. Die Coils waren in einer Reihe hintereinander geladen und mit Ladungssicherungsdrähten (Ladungssicherungswinden) gesichert.
      
Das Fahrzeug hat 2 Wire-Rod-Coils verloren, eines ist auf der Fahrbahn aufgeschlagen, hat eine Leitplanke überrollt und wurde dann durch eine an einer Betontreppe gestoppt. Das andere ist erst kurz vor Stillstand des Fahrzeuges heruntergefallen und blieb auf der Seite liegen.
         
Der Bremsspur ist zu entnehmen, dass das Fahrzeug keine ruckartigen Lenkbewegungen während der Vollbremsung vollführt hat, sondern dass vielmehr die Ladung nach vorn gerutscht ist und durch die langgezogene leichte Linkskurve nach rechts vom Fahrzeug heruntergefallen ist.

Die Bedeutung der mangelnden Ladungssicherung wird dann ersichtlich, wenn man überlegt, dass das Fahrzeug in einer langgezogenen Rechtskurve eine gleiche Bremsung vollführt hätte, und das Coil die Mittelleitplanke "übersprungen" hätte.

       
Nachdem das Fahrzeug zum Stillstand gekommen war, ist die ganze Ladung, bestehend aus 9 Wire-Rod-Coils nach vorn gerutscht, bzw. zwei sind sogar vom Fahrzeug heruntergefallen.
          
Bis zum Stillstand des Fahrzeugs ist die ganze Ladung, bestehend aus 9 Wire-Rod-Coils nach vorne gerutscht, bzw. sind zwei sogar von der Ladefläche gerutscht und auf die Fahrbahn gefallen.
          
Das Fahrzeug hat sich unter der Ladung "weggebremst". Während des Bremsvorganges muss nicht nur das Fahrzeug, sondern auch die Ladung abgebremst werden. Besteht hier zu wenig Kontakt zur Ladefläche (z. B. über Reibung oder Formschluss), setzt die Ladung "die Reise fort". Hierbei baut die Ladung relativ zur Fahrzeugoberfläche immense kinetische Energie auf, welche sie dann beim Auftreffen auf die Stirnwand oder beim Verlassen der Ladefläche in verformende bzw. zerstörende Energie umsetzt. Im vorliegenden Bild wurde die Stirnwand durchbrochen.
       
In der Stirnwand stecken die Vierkantprofile, die als Rungen eingesteckt werden können. Diese Vierkantprofile sind stabil und könnten zur formschlüssigen Ladungssicherung einzelner Ladungsblöcke herangezogen werden. Hierzu müssten "künstliche" Stirnwände, bestehend aus 2 Hülsen und einer Platte über diese Rungen gesteckt werden. An diese künstlichen Stirnwände könnte formschlüssig herangeladen werden. 
Die formschlüssige und exakt geradlinige Beladung an diese Stirnwände, so dass sich die Ladung aneinander "abstützen" kann, vorausgesetzt bedarf es nur noch der Unterlage von reibungserhöhenden Matten und einer Niederzurrung pro Coil, um den Vorgaben der VDI-Richtlinie gerecht zu werden (Neigungswinkel sind ggf. zu berücksichtigen). Der KLSK empfiehlt bei derartigen Ladungen, formschlüssige Verladung, reibungserhöhende Matten und Kernumspannung zur jeweils rechten und linken Seite.
          
Sobald Ladelücken vorhanden sind, bieten Ladeflächenbegrenzungen keinerlei Schutz mehr vor insbesondere schwerer Ladung, die sich in Bewegung gesetzt hat. Der Fahrer hat hier Glück im Unglück gehabt, denn die Ladung hätte auch unter ungünstigen Voraussetzungen in das Führerhaus eindringen können. Im Hintergrund die beschädigten Bremsschläuche.
           
Die sehr starken Verformungen des vorderen rechten Eckpfosten der Stirnwand lassen erahnen, welche Energie in der rutschenden Ladung steckt. Es wird aber auch klar, welche Möglichkeit der formschlüssigen Ladung durch eingesteckte Rungen mit "künstlichen" Stirnwänden besteht.
         
Die durchbrochene Stirnwand, von der linken Seite fotografiert. Auch der linke Eckpfosten ist schon in Mitleidenschaft gezogen, rechts im Bild sieht man die nahezu wirkungslose Niederzurrung, die bei diesen Reibbeiwerten Vorspannungen und bei diesen Ladungsmassen eine Verschwendung von Arbeitszeit ist. (Bei Winkeln von ca.30° verlieren Niederzurrungen 50 % ihrer Wirkung).
          
Das in der Abbildung zu sehende Drahtseil war ursprünglich als Direktzurrung (Bauchbinde) um die Wire-Rod-Coils geführt. Das Drahtseil wurde gegen Herabrutschen dadurch "gesichert", dass es unter den Verpackungs-Stahlbändern hindurchgeführt wurde. Die LC (Lashing Capacity): von 1120 daN reichte zur Sicherung der Ladung nicht aus.
           

Zwei Coils sind von der Ladefläche gefallen, ein weiteres Coil "steht auf der Kippe".

       
Das Coil ist auf die Straße gefallen, hat eine Leitplanke "überwunden" und ist an einer Betontreppe liegengeblieben.
       

Nachdem das Coil die Leitplanke überwunden hat, hat es auch noch ein Verkehrsschild niedergewalzt. Dieser Unfall unter anderen Vorzeichen (Rechtskurve und durchbrochener Mittelleitplanke oder blockierter Überholfahrstreifen) hätte ein reines Horrorszenario auslösen können.

          
Vermutlicher Unfallhergang:

Der Lkw befährt die sehr stark frequentierte B10 zwischen einer Ein- und Ausfahrt. Der Streckenabschnitt ist zum Unfallzeitpunkt noch mit Geschwindigkeitsmessanlagen versehen. Bei einer Geschwindigkeit von 95 km/h (laut Schaublatt) erkennt der Fahrer einen "Starenkasten" zu spät und leitet eine Bremsung ein.

Durch die Bremsung rutscht die "gesicherte" Ladung - 9 Wire-Rod-Coils in einer Reihe – nach vorn und durchschlägt die Stirnwand, wodurch wiederum die Bremsschläuche beschädigt werden, so dass die Räder des Pritschenaufliegers blockieren. 2 der Coils machen sich selbständig und gehen verloren. Der Lkw bleibt auf einer Gewässerbrücke, nach einer Ausfahrt, stehen.

Die Ladungssicherung lässt sich nicht mehr in allen Einzelheiten nachvollziehen. Wahrscheinlich sind die 8 mm Drahtseile (Lashing Capacity = 1120 daN), mehrfach ohne Rollen umgelenkt, zum Einsatz gekommen. Mehrere Niederzurrungen sowie 1 oder 2 Bauchbinden/Direktzurrung (das Drahtseil wurde vor dem Coil herumgeführt) wurden ausgeführt.

Die Niederzurrungen waren auf Grund der Winkel von ca.30° nicht sehr "effektiv". Darüber hinaus sind Drahtseile- und Winden nicht für den "umgelenkten" Einsatz geeignet. Drahtseilwinden können "nur" Vorspannung (Kräfte) in vertikaler Richtung aufnehmen, aber nicht, wie für eine Direktzurrung (Bauchbinde) nötig in horizontaler Richtung. Ein Formschluss nach vorne bestand nicht.

Ein Beispiel für richtig gesicherte Wire-Rod-Coil finden Sie im Ladungssicherungshandbuch des GDV auf Seite 333.

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